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VMZ Karlsruhe

Einrichtung einer Verkehrsmanagementzentrale am Beispiel Karlsruhe

Wenn Fahrzeuge und Infrastruktur kooperieren sollen, dann geht dies nur mit Hilfe von Verkehrsmanagementzentralen (VMZ), in denen verkehrsrelevante Informationen gebündelt, aufbereitet und kontinuierlich beobachtet werden und die wiederum Informationen ausgeben und, wenn nötig, lenkend in das Verkehrsgeschehen eingreifen. Solche Zentralen gab es in Deutschland zunächst nur in Großstädten über 500.000 Einwohnern.

Ausgangssituation

Ein Rückgang des Verkehrswegebaus sowohl in der Fläche als auch in den Städten, zunehmende Verkehrsbelastungszahlen und der ungebremste Wunsch nach Mobilität erfordern „intelligente Straßen“. Ausgangssituation für Karlsruhe, eine mittlere Großstadt mit rund 300.000 Einwohnern, waren vorhandene Teilsysteme wie die Verkehrsrechnerzentrale und ein eingeführtes Parkleitsystem. Gefördert vom Land Baden-Württemberg konnten weitere Module hinzugefügt werden, das Baustellensystem und die Verkehrslageerfassung. Ganz entscheidend für die Einrichtung des VMZs in Karlsruhe war aber, dass innerhalb der Stadtverwaltung eine Bewusstseinsveränderung in Richtung einer zuständigkeits-übergreifenden Denkweise stattfand. Dieser Ansatz ist nach Expertenmeinung Voraussetzung für jede erfolgreiche Tätigkeit im Aufgabenfeld des Verkehrsmanagements.

Zielsetzung

Innerhalb von fünf Jahren sollten folgende Ziele erreicht werden:

Herausforderungen

1. Verkehrsrelevante Basisdaten

Damit die in Echtzeit auflaufenden Informationen zugeordnet und bewertet werden konnten, mussten die Verkehrsstrukturdaten des gesamten Stadtgebietes in einem GIS erfasst werden. Das gesamte Hauptverkehrsstraßennetz, Einbahnstraßen, Temp-30-Zonen, Straßenbahn- und Buslinien, Fußgängerüberquerungsanlagen, Grüne-Rechtsabbiegerpfeile, Parkplätze musste mit dem Straßen-Kanten-Modell verknüpft werden.

Die Basisdaten wurden in fünf Kategorien eingeteilt:

  • Motorisierter Individualverkehr
  • Öffentlicher Verkehr
  • Rad- und Fußverkehr
  • Ruhender Verkehr, Wegweisung
  • Straßenausstattung

2. Baustellen- und Ereignismanagement

Das gesicherte Wissen über Baustellen und andere Störereignisse im öffentlichen Straßenraum ist eine wichtige Voraussetzung für abgestimmte und zweckdienliche Maßnahmen der Verkehrslenkung. Der tatsächliche Baubeginn und das tatsächliche Bauende und sämtliche unvorhergesehen Änderungen müssen der VMZ bekannt sein.

3. Zentrales Parkleitsystem

Das zentrale Parkleitsystem erhält Daten der angeschlossenen Parkhäuser mit der Anzahl der Stellplätze und dynamische Information über die Restplätze und zeigt sie auf Anzeigetafeln an. In Konfliktsituationen kann die VMZ online eingreifen. (Über ein solches System konnten wir uns im Amt für Stadtentwicklung Städtebauliche Planung und Umwelt der Stadt Heidenheim informieren.) Solarbetriebene Parkscheinautomaten liefern weitere Informationen über den ruhenden Verkehr.

4. Verkehrsrechnerzentrale

Die VMZ überwacht den störungsfreien Betrieb der wichtigsten Lichtsignalanlagen und kann an ausgesuchten Knotenpunkten Detailinformationen abfragen: welche tageszeitabhängigen Programme aktiv sind, wie die Umschaltzeiten sind, wie die Grüne-Welle-Bänder festgelegt sind. Ergänzt durch Daten der Verkehrslage, von etwaigen Baustellen und von Videobilder kann die VMZ gegebenenfalls eingreifen.

5. Verkehrslageerfassung

Die aktuelle Verkehrslage bildet zusammen mit den aktuellen Ampel-Schaltungen und den Informationen über Störereignisse die Basis für die Vorhersage von Reisezeiten und für ein etwaiges lenkendes Eingreifen der VMZ. Die Verkehrslage wird durch Zählschleifen und Traffic Eyes erfasst, die an ein Data-Center angebunden sind, und im 5-Minuten-Abstand aktualisiert werden. Eine fahrspurgenaue Erfassung ist Voraussetzung, um sowohl die durchgehenden Verkehrsströme als auch Abflussstörungen auf den Ausfädelspuren zu den relevanten städtischen Zuflussstrecken zu registrieren. Die Verkehrslage wird in drei Kategorien eingeteilt, freifließender Verkehr, zähfließender Verkehr und Stau. Die Einteilung wird aus den gemessenen Werten für mittlere Geschwindigkeit und Verkehrsstärke abgeleitet. Überschreitet die Verkehrsstärke eine gewisse Grenze, so nimmt die mittlere Geschwindigkeit und letztlich auch der Fahrzeugdurchsatz deutlich ab.

6. Störfallmanagement

Das Zusammenführen aller Daten in eine zentrale Stelle macht das schnelle Erkennen von Störungen und Systemausfällen an den zur Datenerfassung verwendeten Komponenten möglich. Service- und Reparaturdienst werden über Fax oder Mobilfunk informiert und können daher sehr schnell zur Stelle sein.

Ergebnis

Die VMZ der Stadt Karlsruhe ging zum Jahreswechsel 2007/08 mit allen Komponenten in Betrieb. Zusätzlich gehen die Daten über die aktuelle Verkehrslage sowie die Baustellendaten via Internet an die DDG für Verkehrsdaten in Bonn. Über die Provider von Navigationssystemen werden diese Informationen dann für die Autofahrer nutzbar gemacht, indem beispielsweise sehr schnell auf eine Stauentwicklung und eine Umleitungsempfehlung hingewiesen wird.

Quelle: Straßenverkehrstechnik, Ausgabe 1, 2009, Kirschbaum Verlag GmbH, Verkehrsmanagement in einer mittleren Großstadt

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