Von der Information zur Intervention

Die Mobile-Car-Commuication bedient sich eines komplexen Systems von Datenbeschaffung und -austausch. Sie erweitert den für den Fahrer sichtbaren Bereich durch die Informationen von anderen Fahrzeuge - sie verschafft ihm mehr Zeit zu handeln. Die Mobile-Car-Communication trägt zur aktiven Sicherheit bei. Und wenn trotzdem ein Unfall passiert, können mögliche Folgeunfälle vermieden und die Zeit für die Bergung der Unfallopfer und der Fahrzeuge verkürzt werden. Die Mobile-Car-Communication kann auch entlang einer Zeitschiene strukturiert werden.

Aktive Sicherheit - Information

Gehen wir zunächst vom Normalfall aus: nichts Besonderes auf der Strecke, eine ruhige Verkehrslage. Das ist das, was der Fahrer wahrnimmt. Was er nicht wahrnehmen kann, ist die Sperrung der A8, in die er in einer halben Stunde einfahren will oder der Wintereinbruch im Schwarzwald, durch den er zwei Stunden später kommen wird. Um sein Ziel ohne allzu große Verzögerungen zu erreichen, braucht er ein Informationssystem, das ihn auf Grund der aktuellen und während der Reisezeit zu erwartenden Ereignisse auf einer geeigneten Route ans Ziel führt. Sein intelligentes Navigationssystem kennt seine Gewohnheiten und berücksichtigt seinen persönlichen Fahrstil. Eigentlich muss er gar nicht wissen, warum er dieses Mal eine andere Route fahren soll als die letzten Male. Wenn er aber die Gründe weiß und sich auf die Aktualität des Systems verlassen kann, dann hat er Verständnis für den neuen Routenvorschlag und kann ihn leichter akzeptieren.

Er wundert sich auch nicht, als ihm sein Informationssystem plötzlich die nächsten Tankstellen anzeigt, mit einem Klick sogar die Preise, denn die Tankanzeige nähert sich auffällig dem roten Bereich. Vielleicht profitiert er auch von den modernen Verkehrsleitzentralen, die die Verkehrslage durch temporäre Beschränkungen der Geschwindigkeit und durch Eingriffe in die Schaltzeiten der Lichtsignalanlagen optimieren. Eines ist sicher, er kann sich darauf verlassen, dass sein Informationssystem zuverlässig und mit einer Aktualität im Bereich von wenigen Minuten arbeitet.

Aktive Sicherheit - Unterstützung

Schauen wir nun auf das einzelne Fahrzeug und seine unmittelbare Umgebung. Der Nahbereich um das Fahrzeug entspricht umgerechnet einer Informations- und Reaktionszeit von ganz wenigen Sekunden.

Unser Fahrer ist also unterwegs, die Route ist geklärt. Um möglichst entspannt fahren zu können, lässt er sich von seinen Assistenzsystemen unterstützen. Seit er den Spurwechselassistenten besitzt, fühlt er sich beim Einfahren in die Autobahn sicherer. Die Geschwindigkeitsbeschränkung hält er dank seines Tempomats ein. Als es wieder schneller voran geht, verlässt er sich auf sein ACC, den Abstandsregler, der automatisch den Sicherheitsabstand zum Vordermann einhält. Über sein Informationssystem erfährt er, dass sich etwa 10 km voraus derzeit ein Stau aufbaut. Er wählt die vorgeschlagene Alternativroute und verlässt die Autobahn rechtzeitig aber noch mit viel zu hoher Geschwindigkeit. Sein Navigationsgerät kennt die exakte Geometrie der Straße, also auch den Radius der engen Kurve in der Ausfahrt. Der Kurvenassistent gleicht die Geschwindigkeit des Fahrzeugs mit den Daten des Navigationsgerätes ab und gibt eine Warnung aus, bevor die Reifen quietschen.

Mittlerweile ist er auf der Landstraße unterwegs, vor ihm ein Lastwagen. Darf er ihn an dieser Stelle überholen? Sein Verkehrszeichenerkennungs-Assistent erinnert ihn daran, dass er noch im Bereich des Überholverbotes ist. Er kann auf seine Assistenzsysteme vertrauen. Sie tragen zu seiner Sicherheit aktiv bei, er aber ist und bleibt der Fahrer.

Aktive Sicherheit - Intervention

Was aber, wenn plötzlich ein Kind auf die Straße läuft? Er bremst, weicht überhastet aus, lenkt viel zu stark ein, das Fahrzeug kommt ins Schleudern, ist nicht mehr kontrollierbar, der Fahrer total überfordert. Die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall ist jetzt sehr hoch. Millisekunden entscheiden, ob das Fahrzeug von der Fahrbahn abkommt, sich überschlägt oder weitere Fahrzeuge rammt.

Währenddessen messen raffinierte Sensoren die Drehzahl der einzelnen Räder, den Lenkwinkel, die Gierrate und die Querbeschleunigung und senden ihre Daten über den CAN-Bus an einen Mikrocomputer im Fahrzeug. Dieser ermittelt daraus den Fahrerwunsch und die tatsächliche Bewegung des Fahrzeugs und greift selbstständig ein. Das Fahrzeug bricht nicht aus, überschlägt sich nicht und kann sehr schnell wieder kontrolliert werden. Was hier so kompliziert klingt, ist nichts Anderes als eine kurze Beschreibung der Wirkungsweise des Elektronischen Stabilitäts-Programms (ESP) und des Antiblockiersystems (ABS). Wenn diese Assistenzsysteme eine Warnung an den Fahrer ausgeben, besteht bereits eine akute Unfallgefahr. Bis der Fahrer reagiert, hat das Assistenzsystem schon gehandelt. Es gibt einen „Point of no Return“, ab dem die unmittelbar sicherheitsrelevanten Systeme intervenieren, also aktiv in die Fahrzeugsteuerung eingreifen.

Damit nicht noch mehr passiert, müssen die Fahrzeuge in der näheren Umgebung ebenfalls gewarnt werden. Über das Fahrzeug – Adhoc-Netzwerk VANET tauschen benachbarte Fahrzeuge ihre Daten zu Position, Geschwindigkeit, Beschleunigung und Richtung aus. Wenn jedes Fahrzeug genau weiß, wo sich die anderen Fahrzeuge befinden, dann können kritische Situationen sehr viel früher und sicherer erkannt werden. Durch "Multi-Hopping" werden Gefahrenwarnungen von Auto zu Auto auch über viele Stationen weitergegeben.

Passive Sicherheit - Unfall

Und wenn es doch zum Unfall kommt? Dann sind Fahrer und Beifahrer extremen Kräften ausgesetzt und nicht mehr in der Lage, sich aktiv zu schützen. Nun müssen passive Sicherheitssystem eingreifen: Die Sicherheitsgurte straffen sich, Crash-Sensoren reagieren auf die hohen Beschleunigungswerte und lösen die Airbags aus. Unmittelbar nach dem Unfall wird ein Notruf (eCall) automatisch abgesetzt und die aktuelle Position sowie technische Daten zum Zustand des Fahrzeugs weitergeleitet. Über Mobilfunk wird eine Sprechverbindung aufgebaut, so dass die Verunglückten, soweit sie in der Lage dazu sind, mit dem Einsatzteam sprechen können.

Gleichzeitig geht eine Meldung an die Verkehrsmanagement-Zentralen, die gegebenenfalls sofort Maßnahmen zur Verkehrsbeeinflussung ergreifen können, von der einfachen Warnmeldung bis hin zu temporären Geschwindigkeitsbeschränkungen und Alternativrouten-Empfehlungen.

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